Presseartikel von Ursula Sommerlad in der Gießener Allgemeinen Zeitung zum Sommerprogramm der SPD Lich

STADTENTWICKLUNG

Lich soll nicht Klein-Königstein werden

Lich ist beliebter Wohnstandort und boomt seit Jahren. Doch am Stadtbild ist dies nicht spurlos vorübergegangen. Vor- und Nachteile sowie die daraus resultierenden Folgen waren Thema bei einer Tour durch die Neubaugebiete.

Die SPD lädt ein zur Tour durch die Neubaugebiete und macht auch im neuen Viertel am Breuerbergsweiher Station.

»Ich will nach Lich, koste es, was es wolle!« Diesen Satz hat Bürgermeister Bernd Klein schon gehört. Und tatsächlich: Die Nachfrage nach Bauplätzen ist groß, die Leute sind bereit, tief in die Tasche zu greifen. Sie kaufen, auch wenn der Quadratmeter 300 Euro kostet. Im Stadtbild hat der Boom tiefe Spuren hinterlassen. Vor diesem Hintergrund hatte der SPD-Ortsverein im Rahmen seines Sommerprogramms am Freitag zu einem Spaziergang durch die Neubaugebiete eingeladen.

Mit Klein konnten die Teilnehmer die guten und weniger guten Aspekte der rasanten Entwicklung diskutieren. Vom Treffpunkt am Waldschwimmbad führte die zweieinhalbstündige Tour zu den Baugebieten Breuerbergsweiher und Turmgärten und dann weiter über das ehemalige Schulgelände an der Jahnstraße zum Wingert, wo gerade im Neubaugebiet »Im Weinberg« hinter der Kreisvolkshochschule ein Haus nach dem anderen emporwächst.

Positive und negative Seiten

 2008 wurde Bernd Klein Bürgermeister. Damals hatte Lich 13 700 Einwohner. Heute sind es 14 588. Von dem Wachstum profitierten alle, sagt Klein, nicht zuletzt, weil mehr Steuer- und Gebührenzahler für den Erhalt der Infrastruktur aufkommen. Die Schließung von Schulen oder Kindergärten sei in Lichkein Thema, die Entwicklung eines zentral gelegenen Nahversorgungszentrums mitsamt dem neuen Rewe ein Riesengewinn. Und immer wieder betonte Klein, dass in den Ausbau der Infrastruktur viel Geld von Investoren-Seite geflossen sei.

Das sind die positiven Seiten. Es gibt aber auch negative. Die steigenden Mieten. Den steigenden Verkehr. Das Unbehagen der alteingesessenen Bevölkerung angesichts all der Veränderungen. Schließlich ist nicht alles, was neu ist, auch schön. Wer daran zweifelt, braucht sich nur die vom RP geforderte Lärmschutzwand am Baugebiet Breuerbergsweiher anschauen.

Bezahlbarer Wohnraum im Fokus
Ein Thema, das die Politik in nächster Zeit beschäftigen wird, ist die Schaffung bezahlbaren Wohnraums. »Wir wollen heterogen bleiben. Wir wollen nicht Klein-Königstein werden«, versicherte der Bürgermeister. Deshalb wolle man in Absprache mit dem Landkreis nach einem Investor suchen, der das ehemalige Schulgelände an der Jahnstraße (Selma-Lagerlöf-Schule, DBS) mitsamt dem benachbarten Kleinsportfeld bebauen möchte und sich auf drei Bedingungen einlässt: Nahwärme-Versorgung, 25 Prozent sozialer Wohnungsbau, Anpassung an die vorhandene Bebauung. Vor allem kleinere, bezahlbare Wohnungen würden in Lich dringend benötigt, sagte Klein. Es gebe eine steigende Zahl älterer Menschen mit kleinen Renten, die sich die Mieten in Lich nicht mehr leisten könnten.

Teurer "Weingarten"Der beabsichtigte Abriss der aktuell leer stehenden Schulhäuser stieß unter den knapp 20 Teilnehmern auch auf Kritik. Ob man die Gebäude in Zukunft nicht doch wieder brauchen werde? SPD-Ortsvereinsvorsitzender Julien Neubert zerstreute diese Zweifel. Momentan gebe es in der ganzen Großgemeinde Lich 1100 Schüler. Selbst bei einer achtprozentigen Steigerung der Zahlen würde der vorhandene Schulraum reichen. Nichts für den kleinen Geldbeutel ist der »Weingarten« in bester Südhanglage gleich hinter dem VHS-Haus.

Die Grundstücke dort sind laut Klein die teuersten in ganz Lich. Grund: Die notwendigen Erweiterungen des Kanals in der Langgasse; den größeren Teil der Kosten mussten die Projektentwickler tragen. Das schlug sich auf die Preise nieder, 220 bis 240 Euro kostete der Quadratmeter im »Weinberg«. »Erst hieß es: Das bezahlt doch keiner. Mittlerweile werden für private Flächen auch 300 Euro aufgerufen, Tendenz steigend«, berichtete Klein.

Und warum ist Lich so beliebt? Entscheidende Pluspunkte sind nach Ansicht des Bürgermeisters die verkehrsgünstige Lage und die gute Infrastruktur. »Lich hat alles, was Gießen auch hat, nur kleiner, feiner und besser.«